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Stadtrundgang 1

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Ausgangspunkt für unseren Rundgang durch die im Jahre 1264 von Ludwig dem Strengen und Konradin, dem letzten Staufer, gegründete Stadt Friedberg ist der Marienplatz. der von schönen Bürgerhäusern eingerahmt wird und einen Eindruck des historischen Stadtkerns vermittelt. Optischer Blickfang ist das in der Nachfolge des berühmten Augsburger Stadtbaumeisters Elias Holl in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Rathaus. Die beiden Volutengiebel, der zierliche Achteckturm mit Zwiebelhaube, der hohe Geschosserker an der Ostseite mit den Wappen von Bayern und Friedberg, die Gesimse sowie die hervortretenden Fensterumrahmungen, teilweise mit gesprengten Dreieckgiebeln sind Ausdruck städtischer Renaissancebaukunst zu einer Zeit, als in Bayern bereits die Barockzeit angebrochen war. An der Südseite erinnert eine Gedenktafel an den Besuch von Papst PiusVI. am 2. Mai 1782, der auf Einladung des Augsburger Bischofs Clemens Wenzeslaus von Wien kommend mit großem Gefolge über München durch Friedberg nach Augsburg fuhr.

Rathaus
Im Innern des Rathauses sind im Sitzungssaal des Stadtrates neben der Kassettendecke aus der Erbauungszeit die Fresken des Münchener Historienmalers Josef Widmann aus dem Jahre 1892 sehenswert. Sie zeigen im Besonderen das große Festschießen, das Herzog Wilhelm V. und seine Gemahlin Renata von Lothringen am 6. August 1582 in der Stadt veranstaltet haben.
Neben dem Rathaus steht der Marienbrunnen. Die Mariensäule haben die Friedberger Bürger im Jahre 1599 aus Dankbarkeit für die Errettung aus der Pest errichtet. Der Springbrunnen geht auf das Jahr 1788 zurück. Die beiden flankierenden Figuren der Apostel Petrus und Jakobus kamen erst im 20. Jahrhundert hinzu.

Wir verlassen den Platz an der Nordostecke über die Uhrmachergasse. Sie weist darauf hin, dass Friedberg von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis etwa 1800 eine bedeutende Uhrmacherstadt gewesen ist. Derzeit sind etwa 350 Namen von Uhrmachern bekannt. Uhren von Georg Roll, der später nach Augsburg zog, Philipp Happacher, Elias Kreitmayr, Andreas Strixner und Benedikt Fürstenfelder, um nur einige Uhrmachermeister zu nennen, besitzen Weltruf. Das schöne Haus gegenüber dem städtischen Verwaltungsgebäude (ehemalige Baudrexlbrauerei) ist das Stammhaus der Uhrmacherfamilie Kreitmayr. Bedeutendster Spross dieser Familie war Wiguläus Xaverius Aloysius Frhr. von Kreitmayr, der unter Kurfürst Max III. Joseph ab 1745 die Reform des bayerischen Land-, Kriminal-, Straf- und Zivilrechts durchführte. Das sehenswerte Eingangstor trägt die Jahreszahl MDCCL-XXXXV (1795). Nach wenigen Metern erreichen wir die Jesuitengasse. Das stattliche Wohnhaus neben dem 1676 durch die Jesuiten erbauten Spital war ursprünglich die Jesuitenkirche Unserer Lieben Frau, die 1588 erbaut worden war und 1875 in ein Wohnhaus umgewandelt wurde. Am Ostgiebel hat sich noch der Ansatz eines kleinen Dachreiters erhalten, der früher mit einem Helm abschloss, wie alte Stadtveduten zeigen. Links von der ehemaligen Jesuitenkirche steht der sogenannte Rote Wasserturm, der die Wasserversorgung der Stadt von 1888 bis 1936 gewährleistete.
Wir wenden uns jedoch nach rechts und stoßen bald auf das alte Mädchenschulhaus, das ursprünglich das Amtsgebäude des kurfürstlichen Maut- und Salzamtes gewesen ist. Über einige Stufen rechts vom Gebäude gelangen wir zum sogenannten Neuen Mädchenschulhaus, das in den Jahren 1904/05 erbaut wurde und in dem heute einige Hauptschulklassen untergebracht sind.
Wir biegen nach rechts in die Pfarrstraße ein, wo nach wenigen Metern neben dem neuen Pfarrzentrum ein Tiefbrunnen erhalten ist, der bis in die grundwasserhaltenden Tonschichten des tertiären Untergrunds reichte. Über das Stadtgebiet verteilt gab es etwa 40 solche Schachtbrunnen, die als Ziehbrunnen bis um 1900 jedermann zur Verfügung standen. Auf der linken Straßenseite gegenüber der Pfarrkirche sind im ehemaligen Knabenschulhaus das Stadtarchiv, die Archivgalerie und Friedberger Schule für Musik untergebracht. Nach rechts kommen wir am Pfarrzentrum vorbei zum St. Jakobsplatz. Das Eckhaus zum Zieglergässchen ist ein altes Uhrmacherhaus. Wo heute ein Goldschmied arbeitet, fertigte vor 200 Jahren der weit über Friedberg hinaus bekannte Andreas Strixner (1751-1830) Groß-und Kleinuhren. Über das Hauptportal betreten wir sodann die Pfarrkirche. St. Jakob.

St. Jakob
Das Gotteshaus wurde zwischen 1871 und 1873 nach italienischen Vorbildern im neuromanischen Stil wieder aufgebaut, nachdem die alte gotische Kirche beim Einsturz des Kirchturms am 2. März 1868 großenteils zerstört worden war. Der bedeutende Schwabmünchner Historienmaler Ferdinand Wagner hat bis 1878 den Innenraum mit zahlreichen Fresken im Nazarenerstil ausgeschmückt, die leider bei der letzten Restaurierung in den 50-er Jahren stark verfremdet und teilweise zerstört wurden. An der Rückwand des südlichen Seitenschiffes befindet sich ein Gedenkstein Herzog Ludwigs des Gebarteten, des zweiten Gründers der Stadt Friedberg, eine ausgezeichnete spätgotische Steinmetzarbeit.

Wir verlassen die Pfarrkirche im rechten Seitenschiff und sehen vor der Kirche den Ulrichsbrunnen von Max Faller, eine Stiftung eines Friedberger Bürgers zum Ulrichsjahr 1993. In der Ludwigstraße, die ihren Namen nach dem oben erwähnten Herzog trägt, gehen wir rechts zum Marienplatz zurück und biegen vor dem Friedberger Berg in die Bauernbräustraße ein, in der einst der Rindermarkt abgehalten wurde. Das stattliche westliche Eckhaus, ein früheres Handelshaus mit der Jahreszahl 1788, zeigt das für viele Häuser Friedbergs typische Mansardendach. Aus der danebenliegenden ehemaligen Bauernbräuwirtschaft entkam 1761 Matthäus Klostermaier, der Bayerische Hiasl, den Soldaten, die ihn nach München zur Armee bringen sollten, und trieb bis zu seiner Verhaftung 1771 im Schwäbischen sein Unwesen.

Nach wenigen Metern erinnert rechts die Goldschmiedegasse daran, dass in Friedberg im 17. und 18. Jahrhundert auch die Goldschmiedekunst blühte. Bedeutende Vertreter ihrer Zunft waren z. B. Andreas Attemstett, dessen wichtigste erhaltene Werke heute im Nationalmuseum und in der Residenz in München zu sehen sind, und Johann Niggl, der 1730 die große Monstranz für die
Wasserturm
Stadtpfarrkirche geschaffen hat. Wir folgen der Bauernbräustraße weiter und biegen nach der Klockergasse, die nach dem Friedberger Karl Klocker benannt ist, der zwischen 1796 und 1803 der letzte Abt vor der Säkularisation im damaligen Benediktinerkloster Benediktbeuren war, in die Gasse entlang der Stadtmauer nach rechts ein. Im ersten Haus befand sich im heute sogenannten Patrollhaus eine Cordonistenstation, die bis 1806 für die Sicherung der bayerischen Grenze zuständig war. Als südwestlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung erhebt sich der Alte Wasserturm, der von 1604 bis 1888 als Wasserreservoir diente.

Der Stadtmauer entlang, die auf Herzog Ludwig den Gebarteten (1409-1412) zurückgeht und im Lauf der Jahrhunderte mehrmals zerstört oder abgetragen wurde, letztmals 1796 durch die Franzosen, kommen wir - vorbei am Büchsenmacher- und Zwingerturm - zur Bergstraße. Hier stand bis 1793 das Untere oder Augsburger Tor, dessen Aussehen uns eine in die Mauer eingelassene Tafel zeigt. Die auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingelassene Tafel wurde den Friedberger Frauen gewidmet, die in den letzten Kriegstagen 1945 durch die Beseitigung einer Panzersperre mit dazu beitrugen, dass die Stadt vor einer Zerstörung bewahrt wurde.

Nach dem Überqueren der Straße gelangen wir über den Näglers- und Hagersturm zum sogenannten Folterturm, der den nordwestlichen Eckpfeiler der Stadtbefestigung darstellt. Von hier aus reicht an klaren Tagen der Blick von den Alpen im Süden über die Stadtsilhouette von Augsburg bis zu den Jurarandhöhen im Norden. Am Pulverturm biegt die Stadtmauer nach Norden zum Schloss ab.

Nun wenden wir uns nach links und erreichen, vorbei an der Fronfeste bzw. dem ehemaligen Landgerichtsgefängnis, das Schloss, das 1257 von Herzog Ludwig II., dem Strengen, erbaut worden ist. Der heutige Bau stammt im Wesentlichen aus der Renaissancezeit (1550-1560) und der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fanden hier unter Herzog Albrecht V. und Herzog Wilhelm V. glanzvolle Feste statt. Zwischen 1754 und 1768 war im Schloss eine Fayencefabrik untergebracht, die Kurfürst Max III. Joseph gegründet hatte.
Schloss
Durch den sehenswerten Innenhof, in dem im Sommer die bekannten Schlosshofkonzerte stattfinden, gelangen wir zum Museum, das 1982 als regionales Schwerpunktmuseum wiedereröffnet worden ist. Neben einer umfangreichen vor- und frühgeschichtlichen Abteilung sind vor allem die sakralen Exponate im sogenannten Rittersaal, die Sammlungen von Uhren, Fayencen und Zunftgegenständen, sowie die Abteilungen bäuerliches und bürgerliches Wohnen besonders zu erwähnen (Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag, Feiertage 11 - 17 Uhr).

Vom Schlossturm, der sonntags während der Öffnungszeit bestiegen werden kann, bietet sich ein wunderschöner Blick über die alte Herzogstadt, die neuen Viertel von Friedberg, die Lechleite und über die Lechebene nach Augsburg. Vor der Schlossbrücke führt links ein schmaler Fußweg zum sog. Köpfhäusl nördlich des Schlosses. Die Sage von der Blutföhre erzählt, wie hier der unschuldige Graf Ulrich von Möring auf Anstiften des übelberüchtigten Strauchritters Hans von Eurasburg durch das Schwert hingerichtet wurde. Der Platz vor dem ehemaligen Befestigungsturm war früher das Hochgericht.
Von hier aus kehren wir zurück zum Marienplatz oder wir gehen vor der Schlossbrücke links die Burgwallstraße entlang und erreichen, vorbei am Stadtgarten und der großzügigen Sport- und Schwimmhalle, in zehn Minuten die Wallfahrtskirche Herrgottsruh. Sie geht auf ein Gelöbnis eines Friedberger Jerusalem-Pilgers nach 1300 zurück. Der heutige Bau, der zwischen 1731 und 1753 entstand, gehört zu den schönsten und herausragendsten Schöpfungen des bayerischen Rokoko.

Herrgottsruh
Bedeutendste Künstler der Zeit, wie Cosmas Damian Asam, Matthäus Günther und Franz Xaver Feichtmayr, gestalteten den Innenraum mit seinen sieben Kuppeln. Das Gnadenbild
des Herrn in der Ruhe aus dem 15. Jahrhundert stammt aus dem Umkreis um Gregor Erhard, das Bruderschaftsbild von Ägid Verhelst (um 1760). An der südlichen und nördlichen Wand hängen zahlreiche sehenswerte Votivtafeln.
Nach dem Besuch der Wallfahrtskirche gehen wir die Herrgottsruhstraße stadteinwärts. Vorbei am Kreiskrankenhaus und der Evangelischen Kirche Zum Guten Hirten erreichen wir wieder die Ludwigstraße.

Gegenüber der Bäckerei stand an der Stelle des alten Waisenhauses der staatliche Salzstadel. Bei der Gründung Friedbergs als Bollwerk gegen Augsburg hatte auch der Salzhandel eine wichtige Rolle gespielt und schon 1270 wird in einem Vergleich zwischen Herzog Ludwig dem Strengen und dem Bischof von Augsburg eine Friedberger Salzniederlage erwähnt. Im Lauf der Jahrhunderte war das Salz dann immer wieder Anlass zu Streitigkeiten mit Augsburg. Zwischen der Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage Ost stand bis in die 50-er Jahre das Zollhaus. Wir gehen die Ludwigstraße stadteinwärts, kommen am von 'Max Faller gestalteten Pilgerbrunnen vorbei und erreichen bald den Altstadtbereich. Beim Haus Ludwigstraße 22 stand bis 1868 das Münchner Tor mit seinem wuchtigen Turm, der damals dem zunehmenden Verkehr weichen musste. In wenigen Minuten kommen wir von hier zum Marienplatz, dem Ausgangspunkt unseres Rundganges, zurück.

Dr. Hubert Raab

Stadtrundgang
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