Mit dem mächtigen Schlernrücken im Hintergrund vermittelt das Dorfbild von Völs den Fremden einen bleibenden Eindruck und die Einheimischen erfüllt es mit Stolz. Weshalb sie auch darauf beharren, dass der Schlern alleine ihnen gehöre und ihr Berg sei, obwohl die Nachbardörfer Seis und Kastelruth sich genauso zu ihm bekennen. Ganz nahe am Fuße des schroffen und steilen, über 1500 Meter abfallenden Wände des Schlerns und oberhalb Bozens haben sich die Völser schon vor Jahrhunderten eingerichtet und angesiedelt. Die vielen Generationen Völser Bauern haben in der Abgeschiedenheit des Mittelgebirges und doch in der Spannweite der Handelsstadt Bozen und der Kirchenmetropole Brixen eine beispielhafte Geschichte erlebt, die von den Wogen des Bauernkrieges ebenso erfasst wurde wie von der Hexenverfolgung. Vor 1120 Jahren wurde der Ort Völs zum ersten Mal in einer Urkunde König Arnulfs genannt.
Als die Musikkapelle Völs im August 1959 sich am Volksfest in Friedberg beteiligte, wurde gleichsam der Grundstein zur Partnerschaft gelegt. Verbindungsmann war der Stadtrat und Alpenvereinsvorstand Beppo Pöller und es folgte eine 50-jährige Geschichte herzlicher Begegnungen.
Völs am Schlern
Partnerschaftsfest: Weißwurstfrühstück mit Brezen und Bier
Nach der Feier im Mai in Friedberg zweiter Teil des Jubiläums in Völs am Schlern
Das schmucke Bergdorf Völs am Schlern in Südtirol war ein verlängertes Wochenende fest in Friedberger Hand. Vier Omnibusse und eine Kolonne von Privatfahrzeugen schlängelten sich die unzähligen Kurven zur 900 Meter hoch gelegenen Partnergemeinde hinauf und gut dreihundert Friedbergerinnen und Friedberger genossen den zweiten Teil der Feierlichkeiten zum 50 jährigen Bestehen der Beziehungen bei traumhaftem Spätsommerwetter. Es war eine eindrucksvolle Demonstration und Festigung der Freundschaft. Der smarte Völser Bürgermeister Dr. Arno Kompatscher freute sich nicht nur über die Präsenz aller drei Friedberger Bürgermeister-Kollegen und 22 Stadträten mit Verwaltungspitze, sondern vor allem über die vielen jungen Leute, die dem Partnerschaftsjubiläum als Gäste oder durch aktive Mitwirkung am Programm ihren Stempel aufgedrückt haben. Auch der Jugendrat hat sich der Völsreise angeschlossen. Und aus der Steiermark waren auf Einladung der Stadt Gusti Lebenbauer und Lotte Raza mit dabei.
Auf langatmige Rückblicke über die bisherigen Ereignisse - die allerdings in einer Festschrift notiert sind- wurde verzichtet. Dafür jagte ein kultureller, musikalischer oder lukullischer Höhepunkt den andern. Und was manche „alte„ Völsbesucher überraschte war die überragende Logistik, mit der die Männer um Komiteevorsitzenden Hans Nössing gastronomisch und verkehrsmäßig mit Shuttlebussen alles im Griff hatten. Wie schon beim Begrüßungsabend in der Kulturhalle oder bei den Führungen, die am Samstagvormittag in vier Abteilungen (Schloss Prösels, Kirchen, Höfewanderung oder „Kurioses“) für viele neue Erkenntnisse brachten. Oder der Mittagstreff beim „Pitschlmann“, zu dem sich eine ganze Karawane bewegte.
Den Festsaal war bis auf den letzten Platz belegt, als die Stadtkapelle Friedberg den Begrüßungsmarsch spielte. Die Friedberger Gäste gestalteten nämlich den kulturellen Teil des Programmes –in Friedberg beim Teil eins waren es die Völser. Und man ging neue Wege, stellte die Jugend in den Vordergrund und hatte einen kurzweiligen Abend, bei dem ein Südtiroler Festmenue und bester „Roter“ vom Gumphof und Bessererhof serviert wurden. Unter den zahlreichen Ehrengästen war auch der Landtagspräsident Dr. Dieter Steger aus Bozen, der von „Bausteinen für ein europäisches Haus“ sprach. Die beiden Bürgermeister tauschten eine kunstvolle Urkunde aus, in der versprochen wird die Partnerschaft weiterhin zu pflegen. Und besondere Aufmerksamkeit zog das Friedberger Jubiläumsgeschenk auf sich. Einen Bildstock („Saul“) mit dem Ruherrle, das als Original auf dem Wege nach Herrgotttsruh in Friedberg steht, hatte man mit viel Aufwand und der Mithilfe von Spediteur Roman Mayer nach Völs gebracht und vor dem Friedhof aufgestellt. Franz Seidl und zehn weitere Handwerker hatten das Werk kostenlos gefertigt und als Belohnung das „Dabeisein“ gewünscht. Der Völser Pfarrer Stefan Astner, der im Festgottesdienst die christliche Bedeutung der Partnerschaft würdigte, segnete im Anschluss nach einem imposanten Kirchenzug den Kniefall. Den Festabend bereicherten die Ottmaringer Theatergruppe mit dem Einakter „Der Rossdieb zu Friedberg“ und die junge Musikgruppe „Men in Blech“ mit Andreas Bolleiniger am Regiepult.
Restlos begeistert waren die Völser von der „Mitternachtsshow“ der Tanzgruppe Stefanie Brackmann („Dance-Lyrix“), die mit fetziger Musik nochmals eine weitere Rakete zündeten und Beifallstürme herausforderten.
Ein weiterer Höhepunkt des Treffens war der Frühschoppen am Sonntag auf dem Kirchplatz, den das Friedberger Partnerschaftskomitee unter der Leitung von MdL Reinhard Pachner („Völs ist meine zweite Heimat“) als Geschenk mitbrachte und organisierte. Kaum hatten die „Men in Lech“ mit dem „Rondeau“ von Mouret einen furiosen Schlusspunkt in der Kirche gesetzt, da ließen sich Völser, Urlauber und Friedberger auf dem Kirchplatz 1200 Brezen, knapp zwei-tausend Weißwürste und Kühbacher Bier schmecken. Frisch gebacken von Richard Scharold, der extra einen Backofen nach Völs karrte. Die freiwilligen Spenden in Höhe von über 3000 Euro, stellte Pachner einer unschuldig in gro-ße Not geratenen Völser Familie zur Verfügung.
.
Sie wurden geehrt
Ehrenzeichen der Gemeinde Völs: Gerlinde Pfundmeir, Hans Rabl, Gabriele Raab.
Geschenke (gebastelte Schlernhexen): Dr. Bergmair, Reinhard Pachner, Manfred Losinger, Richard Scharold, Franz Seidl, Traudl Greppmair, Silvie Schwab, Luise Kraut, Frank Büschel, Ursula Jonetzko, Josef Bestele (alle Friedberg).
Blumen und Geschenkkörbe: Hans Nössing, Arno Kompatscher, Nadja Kompatscher, Maria Nössing, Marianna Mair, Margret Planer, Liesl Kompatscher, Emma Kompatscher (alle Völs).
Beteiligte Handwerker
Steinmetz : Franz und Markus Seidl
Maurer: Firma Lindermayr, Roland Schmieder, Klaus Ellerbeck
Stukkateur: Stefan Pauer
Schlosser: Robert Höck, Firma Federal Mogul, Vitus Lichtenstern, Hubert Gerstmaier,
Spengler: G. Wolf, Werner Lorenz, Rainer Holzapfel
Glaser: Karl Burger
Immer wieder neu verliebt, auch zur Goldenen Hochzeit
Partnerschaftsjubiläum: Nach 50 Jahren ist es wie bei einem Ehepaar: Friedberger und Völser werden sich immer ähnlicher
„Dass man nach einer „Liebe auf den ersten Blick“ auch eine Verbindung eingeht ist normal, aber dass man sich nach 50 Jahre Ehe auch noch gut versteht, trifft nicht immer zu“, sagte Dr. Arno Kompatscher beim Festabend zur Jubiläumsveranstaltung in der Stadthalle. Und er hatte da den ver-schmitzten Blick, der nicht nur an en Völser Schlag ganz allgemein, sondern auch seine Vorgänger im Amt erinnert. Zwei Tage lang feierte man die Goldene Hochzeit es Partnerschaftsjubiläums in einem herzlichen Rahmen und einer Harmonie, die für die Zukunft Gutes ahnen lässt.
Einen Südtiroler Brunnen übergab Bürgermeister Dr. Arno Kompatscher als Geschenk an die Stadt Friedberg
Der kurzweilige Abend in der Stadthalle vor über 600 Leuten wurde von der Kapelle Völs – sie hatte den Grundstein für die Partnerschaft gelegt -, dem Völser Männerchor und der Volkstanzgruppe bestritten. Dazu gab es als Premiere einen offiziellen Film über die Gemeinde Völs am Fuße des Schlern „im Reich der Dolomiten“. Die Grußworte hielten sich wohltuend kurz und in Grenzen und alle Redner hatten ganz persönliche Erfahrungen und Beziehungen mit den Gästen jenseits der Alpen. Staatsminister Siegfried Schneider freute sich, als „Privatmann“ seit Jahren mit den Friedbergern Gast in Völs sein zu dürfen. Und auch Landrat Christian Knauer verwies auf die persönlichen Erfahrungen mit den Südtirolern. „Wir fühlen uns hier wie daheim“, schwärmte der 38-jährige Völser Bürgermeister Dr. Arno Kompatscher, der vor allem die vielen jungen Leute herausstellte, die diesmal mit dabei waren.
„Wir nähern uns immer mehr an“, sagte Partnerschaftspräsident Reinhard Pachner etwas „hinterkünftig“, „denn die Völser sind jetzt plötzlich pünktlich und auch akribisch genau“. Das war - behaupten manche - neu, aber auch notwendig, denn das Programm war eng gesteckt. Und Friedbergs Bürgermeister Dr. Peter Bergmair, der auch den Schlern-erfahrenen Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger begrüßen konnte, bot seinem Kollegen eine gegenseitig unterzeichnete Urkunde an, die die Fortsetzung der einzigartigen langjährigen Beziehung dokumentieren sollte. Nette Worte fanden auch die beiden Präsidenten Reinhard Pachner und Hans Nössing (Völs).
Die Stadt Friedberg und das Partnerschaftskomitee unter der Leitung von Reinhard Pachner haben es an nichts fehlen lassen, um der Bedeutung des Festes angemessen Rechnung zu tragen. Die Völser hatten Rotwein und sechs Bäuerinnen mitgebracht, die nahezu tausend flache „Völser Krapfen“ buken und verteilten. Die Stadt Friedberg bot einen Wittelsbacher Ochsenbraten und bayerisches Bier an. Der langjährige Friedberg-Freund Hermann Thaler fand wieder die richtigen Worte, um die Programmpunkte überzuleiten. Die Kapelle Völs, eine der führenden Klangkörper in Südtirol glänzte ebenso wie der Männerchor unter der Leitung von Toni Federer. Und bei der Volkstanzgruppe konnte man wieder die schönen Trachten bewundern. Für den Bürgermeister aus Völs hatte Reinhard Pachner ein Bild von Felix Reithemann parat, auf dem sich die beiden Kirchtürme aus Friedberg und Völs vor der Kulisse des mächtigen Schlern umarmen. Und für die Ehrengäste gab es dieses Bild zum Jubiläum zusätzlich verkleinert und gerahmt. Die Südtiroler haben keine Kosten und Mühen gescheut, um eine 40-seitige interessante und farbige Festschrift unter der Leitung von Dr. Hermann Vötter drucken zu lassen, die jeder Besucher erhielt.
Der erste Höhepunkt war nach dem Eintreffen der Gäste der Empfang und die Bewirtung in Wulfertshausen beim Spargelhof Losinger, dem dritten Bürgermeister Friedbergs. Die Stadtkapelle spielte auf und die ersten Kontakte wurden beim „brutal-lauten“ Salut des Schützenkranzes Wulfertshausen erneuert. Nächste Station war der Schlosshof mit einem Empfang der Stadt Friedberg, wo die Jugendkapelle aufspielte. Gemeinsamkeiten wurden gefunden: Die Völser pflegen seit vielen Jahren ihr Schloss Prösels und jetzt hat Friedberg „endlich“ auch „sein“ Schloss (Bergmair). Aber (noch) kein Kuratorium, das Mittel beschafft, wie bedauert wurde. Mit einem besonderen Gastgeschenk überraschte „Dr. Arno“, als er einen echt Völser Holzbrunnen „auspacken ließ“, der vor der Stadthalle unweit des Völser Steins seine Bleibe finden wird.
Stadtpfarrer Markus Hau, der dem Jubiläumsabend ebenfalls beiwohnte, hielt am Sonntag eine bemerkenswerte Predigt auf die Freundschaft Völs - Friedberg auf der Basis des sonntäglichen Evangeliums über Freundesliebe und Grenzen überwinden. „Nicht ausruhen sondern weitermachen“ war seine Botschaft an die Gläubigen, die sich zur Festmesse versammelt haben. Und auch dort überzeugten die Blaskapelle und der Männerchor, die für die Ausgestaltung der Messe viel Beifall erhielten. „Bis zum September“ hieß es beim Abschiednehmen am Marienplatz. Denn dort findet der zweite Teil des Jubiläums statt. Die Friedberger Stadtkapelle verabschiedete ihre befreundeten Gäste mit dem „Bozener Bergsteigermarsch“ am Marienplatz.
Die Ehrungen
Im Rahmen des Festabends wurde Walter Kompatscher, der frühere Völser Bürgermeister, ehemalige Vorsitzende des Kuratoriums Schloss Proesels und Vater des jetzigen Bürgermeisters mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Friedberg ausgezeichnet. Fayenceteller, Geschenke, Ehrennadeln oder Blumen erhielten Emma Kompatscher, Marianne Lantschner, Toni Kompatscher, Hubert Vikoler, Hermann Thaler, Hans Nössing (alle Völs), Minister Siegfried Schneider, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Pfarrer Markus Hau, Richard Scharold, Gerlinde Pfundmeir, Elisabeth Augustin, Marianna Mayr, die sechs Krapfenbäckerinnen und Klara Kompatscher.